Meine Lieblingsgedichte

Johann Wolfgang Goethe:
Willkommen und Abschied

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor;
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft' es, ich verdient' es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!


oseph von Eichendorff:
Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blüten-Schimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


Eduard Mörike:
Verborgenheit

Laß, o Welt, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben,
Laßt dieses Herz alleine haben
Seine Wonne, Seine Pein!

Was ich traure weiß ich nicht,
Es ist unbekanntes Wehe;
Immerdar durch Tränen sehe
Ich der Sonne liebes Licht.

Oft bin ich mir kaum bewußt,
Und die helle Freude zücket
Durch die Schwere, so mich drücket
Wonniglich in meiner Brust.

Laß, o Welt, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben,
Laßt dieses Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!


Ernst Jandl:
schtzngrmm

schtzngrmm
schtzngrmm
t-t-t-t
t-t-t-t
grrrmmmmm
t-t-t-t
s------c------h
tzngrmm
tzngrmm
tzngrmm
grrrmmmmm
schtzn
schtzn
t-t-t-t
t-t-t-t
schtzngrmm
schtzngrmm
tsssssssssssssss
grrt
grrrrrt
grrrrrrrrrt
scht
scht
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
tzngrmm
tzngrmm
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
scht
scht
scht
scht
grrrrrrrrrrrrrrrrrrr
t-tt

ANMERKUNG: Durch die Laute aus dem Grundwort "Schützengraben" wird Schlachtlärm symbolisiert. Der Schluß ("t-tt") steht für das Wort "tot".

Buchtipps

Antoine de Saint-Exupéry:
Der kleine Prinz.
Ein wundervolles Buch, nicht nur für Träumer. Sollte jeder haben.


Stefan Heym:
Ahasver.
Eines der umwerfendsten Bücher mit einer interessanten Idee dahinter. Leider hat sich der Autor am Ende in ein Dilemma hineingeschrieben, das er nicht mehr verlassen konnte. Trotzdem ein Meisterwerk.


Gabriel Garcia Marquez:
Hundert Jahre Einsamkeit.
Eine Art Familiengeschichte, teilweise schon recht phantastisch, aber sehr empfehlenswert.


Winston Groom:
Forrest Gump.
Keine "hohe" Literatur, aber trotzdem empfehlenswert. Verläuft etwas anders als der Film und auch für Leute, die den Film kennen, empfehlenswert.


Simone de Beavoir:
Alle Menschen sind sterblich.
Die Unsterblichkeit als Fluch. Fesselnd, gut geschrieben, und noch dazu eine Menge geschichtlicher Details.


Jean Paul Sartre:
Das Spiel ist aus.
Zwei Menschen waren füreinander bestimmt, sind sich aber nie begegnet. Ob sie es in einem zweiten Anlauf schaffen würden? - Sartre zu lesen ist immer gut, aber dieses Buch ist absolut spitze.


Erich Maria Remarque:
Arc de Triomphe.
Liebe zwischen zwei Kriegen... Fesselnd, schockierend, gut. Außerdem sehr gute Kriegsbücher von Remarque: "Im Westen nichts Neues", "Der Funke Leben", "Zeit zu leben und Zeit zu sterben".