Mein Stern

Ich habe einmal
einen Stern in den Armen gehalten.
Der Stern war so schön,
hat mich erfüllt mit seinem Strahlen.
Aber er war so schwer.

Ich habe ihn
in den Armen gehalten, den Stern.
Er war wie ein Wunder,
hat mich gewärmt.
Aber er war mir zu schwer.

Er hat mir auch Kraft gegeben
durch sein Strahlen.
Und mit all dieser Kraft
habe ich ihn zurückgeworfen
in den Himmel.
Damit er mir später
aufgrund seines Gewichts
nicht hinunterfällt
und kaputtgeht.


Heute
wache ich nachts oft auf
weil mir kalt ist.

Und dann spaziere ich hinaus
ins Freie.
Lege den Kopf in den Nacken
und betrachte die Sterne.
Meinen Stern.
Oft strecke ich die Hand aus,
aber er ist so weit weg.
Unerreichbar.
Er kann mich nicht mehr wärmen,
aber er ist immer noch schön.

(Aus: "...und jeder Stern ein Traum von Dir", Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1999.)


Deine Augen

Mach doch bitte nur
Deine Augen zu.

Die Augen,
die mich einmal so
sanft anblickten.
Damit ich nicht sehe,
wie hart sie jetzt sind.

Die Augen,
die mich einmal so
gewärmt haben.
Damit ich nicht merke,
wie kalt sie jetzt sind.

Die Augen,
die mir einmal
die Welt bedeuteten.
Damit ich nicht merke,
dass sie es immer noch tun.


Mach doch bitte nur
Deine Augen zu.
Damit sie nicht sehen,
dass ich weine.

(Aus: "...und jeder Stern ein Traum von Dir", Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1999.)


Es ist nicht so

Es ist nicht so, daß ich ohne Dich
nicht sein kann.
Ich bin.
Atme.
Schlucke.
Esse.
Gehe.
Aber ich lebe nicht.

(Aus: "...und jeder Stern ein Traum von Dir", Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1999.)


Entwicklung

Gestern
ward ein Kind geboren,
voll Hoffnung auf die neue Welt.
Es wollte leben, lieben, glücklich werden,
so leben, wie es ihm gefällt.

Gestern
ward ein Kind geboren.
Das Herz voll Sehnsucht, frei von Schmerz.
Doch bald schon musste es erkennen:
Die Welt ist hart, doch weich das Herz.

Gestern
ward ein Kind geboren.
Die Träume blieben unerfüllt,
so dass das Kind begann zu merken:
unnütz ist Hoffnung, nie gestillt.

Seither
ist viel Zeit vergangen
und heute ist der Mensch schon alt.
Ist angepasst an diese Welt,
in seinem Herz die Sehnsucht kalt.

Auch morgen
wird ein Kind geboren.
Voll Hoffnung, und das Herz noch rein.
Vielleicht gelingt es uns, zu zeigen:
Das Leben kann doch traumhaft sein!

(Aus: "Sonnenregen", Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 2002.)


Unmöglich

Wenn ich
hätte
und
könnte
und
würde
wie ich sollte,
dann wäre es
möglicherweise
vielleicht
anders gegangen.

Aber ich habe nicht.

(Aus: "Sonnenregen", Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 2002.)


Unerwartet

Als ich ging,
da wusste ich,
Du würdest mir fehlen.

Ich kannte den Schmerz schon,
der auf mich zukam.
Ich habe gewartet,
weil ich dachte,
es würde schon besser werden.

Ich habe mit ihnen gerechnet,
den Tränen, der Sehnsucht.
Und mit Geduld
wartete ich auf deren Ende.
- Das Ende kam nicht.

Denn ich hatte
das Ausmaß an Liebe vergessen.

(Aus: "Sonnenregen", Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 2002.)


Schlaf

Wie Du so daliegst,
vollkommen,
von Nachtlicht umhüllt!
Mein Herz Dich betrachtet,
von Liebe erfüllt.

Welch' Ruhe,
welch' Schönheit
doch strahlt von Dir aus.
Mein Herz will noch näher,
bei Dir ist's zu Haus.

Die Haut,
weich wie Seide,
von Mondlicht umtanzt.
Es scheint als bewacht' Dich
der Sterne Glanz.

Mein Herz
schreit vor Sehnsucht,
doch berühr' ich Dich nicht.
Aus Angst, Dich könnt' wecken
der Finger Gewicht.

Ganz still
liegst Du da,
und der Atem stockt mir.
Wie bin ich doch glücklich
durch meine Liebe zu Dir!

(Aus: "Sonnenregen", Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 2002.)